KULTUR: Liebenswerte französische Lebensart
Publikum im Kunstkeller im musikalisch-visuellen Sinnesrausch
DAHLHAUSEN - Die Veranstaltungstermine vom Flyer des Dahlhausener Kunst- und Kulturvereins sind fast alle abgearbeitet. Als vorletztes Konzert hatte die „Franco Feel“ Band aus Berlin am Samstagabend im Kulturkeller gastiert. Ihr Auftritt als „Savoir-vivre mit Berliner Lebenskunst“ war ein Konzert „nach Rezept“. Das Publikum war als Konsument der Musik willkommen. Wer kosten will vom „gehaltvoll und samtig – wie ein guter Beaujolais“ – Musikstil, der nehme einen gut abgehangenen Kontrabass, ein gut geklopftes Cajon mit einer Prise Schlagzeug und passiere das Ganze durch die sechs Saiten einer Moustache-Gitarre. Diesen Mix verfeinere man mit der geschmacklichen Raffinesse eines Knopfakkordeons und garniere das Ganze mit dem Charisma einer verführerischen Stimme.
In dieser Weise hatte die Berliner Bandbesetzung zum Zuhören eingeladen und Appetit gemacht. Die Gäste der jüngsten Veranstaltung in Dahlhausen haben die Rezeptur des Berliner Quintetts genossen. Süßes französisches Leben, gepaart mit Berliner Lebenskunst, von der es schon in den 1920er und 30er Jahren in der großen Stadt mehr als einen verruchten Hauch gegeben hatte, fand am Samstag eine musikalische Ausdrucksform. Die verführerische Stimme passend dafür lieferte Sängerin Anja Sonntag. Sie ist zum zweiten Mal Konzertgast im legendären Dahlhausener Keller. Begleitet wurde sie jetzt vom unverzichtbaren Ehemann Sven Sonntag mit Kontrabass, (2.v.re.), von Dagmar Hilbricht (Gitarre), Tobias Kratz (Percussion) und Yvonne Grünwald (Knopfakkordeon).
Besonders die Berliner hatten musikalisch schon immer das französische leichte Lebensgefühl nachgelebt. In Dahlhausen wurden freche Texte gesungen, über die es viel zu lachen gab. Der Konzertabend war in zwei Sets mit über zwanzig, meist deutsch interpretierten Titeln, überreich beladen. Der Lohn war reichlich Applaus vom Publikum. Die Besucher fanden sogar einen Anlass zu umfangreichen Diskussionen. An dem Konzertabend gab es auch Kunst zum Ansehen, eine Bilderausstellung der Malerin und Fotografin Heike Baptist aus Berlin. 30 Kunstwerke, gemalt in Öl, Acryl oder Bleistift, mit Titeln wie „Entwurzelt – ein Afrikaner“, „Der Schrei“, „Frech“, „Eine Mutter“, „Teufelspower“, „Alte Frau“, „Das Baumgesicht“ lassen schon die Vielfalt der Themenbearbeitungen erahnen. Das hatte genug Aufmerksamkeit zum Nachdenken und Verweilen bei den Besuchern provoziert, die auch viel darüber diskutierten. Heike Baptist ist von Beruf Erzieherin. Seit 1984 hat sie sich autodidaktisch ihre Kunstrichtung und den Stil erarbeitet. 1988 geschah der Zusammenschluss ihrer Ateliergemeinschaft „Try“ in Berlin. Anfang des neuen Jahrtausends widmete sie sich der Aktionskunst als Natur- und Baumschützerin. 2004 wurde die künstlerische Gemeinschaft „Wedding Art“, mit eigener Galerie gegründet.
Heike Baptist stellt seitdem auch in den gemeinsamen Ausstellungen in Berlin, Japan, New York und demnächst in Paris ihre Bilder aus. Das kleine Dahlhausen war eine Zwischenstation.
(Von Hajo Nitschke)
Originaldarstellung des Artikels
Richtigstellung durch Francofeel:
Natürlich ist Sven Sonntag nicht der Ehemann von Anja Sonntag, sondern der Bruder.
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